Etwas zur Geschichte der Firma F. C. Heinemann
Die Firma F. C. Heinemann zählt zu den ältesten und bekanntesten eingesessenen Saatzuchtbetrieben aus Erfurt. Am 1. April 1848 gründete Friedrich Carl Heinemann (1819-1875) in der Kohlgrube 12 in Erfurt ein Gärtnereigeschäft und begann damit, seine Firma „F. C. Heinemann“ kontinuierlich aufzubauen. Das Unternehmen wuchs rasant und wurde nicht zuletzt wegen seiner legendären Versandkataloge schnell bekannt und zur internationalen Marke für Blumen- und Gemüsesamen.
1850 wurden im Versandkatalog schon mehr als 2500 Sorten angeboten. Vom 9. bis zum 17. September 1865 fand die erste „Allgemeine deutsche Ausstellung von Produkten des Land- und Gartenbaues“ in Erfurt statt. Die Firma F. C. Heinemann war damals für die Planung des Gartenschau-Geländes verantwortlich. Friedrich Carl Heinemann gewann den ersten Preis, der seinerzeit von Kaiserin Augusta gestiftet wurde.
Nach dem Tod von Friedrich Carl Heinemann im Jahr 1875 leitete seine Frau Irene, unterstützt von ihren 3 Söhnen Kurt, Carl und Franz das Unternehmen weiter. Nachdem Kurt Heinemann krankheitsbedingt schon in den 1880-er Jahren wieder ausgestiegen war, lag die Leitung der Firma nun ganz in den Händen von Franz und Carl Heinemann.
Franz Heinemann verstarb 1911 und seine Mutter Irene Heinemann 1916 im Alter von 90 Jahren. Carl Heinemann gelang es, das Geschäft durch die Kriegsjahre zu führen und die Firma kurz vor seinem Tod 1919 an seinen Neffen Waldemar Heinemann zu übergeben, der von der Front glücklicherweise zurückgekehrt war.
Waldemar und sein Bruder Alfred Heinemann leiteten die Firma viele Jahre weiter, bis die Familie Heinemann 1952 wegen angeblicher Wirtschaftsverbrechen enteignet wurde. Der Firmenchef Alfred Heinemann wurde deshalb zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt und verließ die DDR Ende der 50-er Jahre Richtung Westdeutschland. Er verstarb 1966 im Alter von 74 Jahren in Lippstadt.
In der DDR existierte der Samenversandhandel F. C. Heinemann Erfurt "mit der säenden Hand" unter staatlicher Beteiligung weiter. Der letzte Katalog erschien im Jahr 1964. Im Jahr 1972 erfolgte die endgültige Verstaatlichung und damit war 124 Jahre nach der Gründung das Ende der Firma F. C. Heinemann aus Erfurt besiegelt.
Sortenbeschreibung Heinemanns Jubiläum
Heinemanns Jubiläum oder einfach nur Jubiläum sind die Bezeichnungen dieser mittlerweile sehr seltenen, heute leider auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen stehenden Tomatensorte aus Thüringen. Die Buschtomate stammt von der Firma F. C. Heinemann und wurde anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums von Rudolf Bulin (1906–1969) gezüchtet, und im Jahr 1948 eingeführt. In der DDR hatte Heinemanns Jubiläum bis 1960 eine offizielle Sortenzulassung, in der BRD von 1956 bis 1972.
Die Sorte Heinemanns Jubiläum produziert kleinere bis mittelgroße rote runde Salattomaten. Die Pflanzen tragen normales, mittelgrünes Laub und werden bei mir zwischen 60 und 70 cm hoch. Von der befruchteten Blüte bis zur erntereifen Tomate vergehen bei der mittelspäten Sorte etwa 70 Tage. Pro Fruchtstand wachsen in der Regel 4 bis 6 Tomaten heran. Im Durchmesser erreichen die Früchte 4 bis 6 cm und bringen bis zu 100 g auf die Waage.
Von der Form und Größe her, sind die Tomaten etwas unterschiedlich, wobei die kleinen rund und die großen eher abgeflacht sind. Die Früchte haben 5 bis 6 Kelchblätter, recht dicke Fruchtwände und ein saftiges Fruchtfleisch mit 2 oder 3 Samenkammern. Eine feste, aber beim Verzehr nicht unangenehm harte Haut verhindert das Platzen der Früchte und sorgt für eine gute Freilandtauglichkeit. Der Geschmack ist, wie man es von einer guten Salattomate erwartet, fruchtig und ausgewogen süß-säuerlich.
Übersicht
| T056 | Heinemanns Jubiläum |
| Wuchsform: | Buschtomate, normalblättrig |
| Herkunft: | Deutschland |
| Fruchttyp: | Salattomate |
| Fruchtfarbe: | rot |
| Fruchtform: | rund bis leicht abgeflacht |
| Fruchtgröße: | Ø 4 – 6 cm |
| Fruchtgewicht: | bis 100 g |
| Reifezeit: | 65 – 75 Tage – mittelspät |
| Wuchshöhe: | determiniert, bis 70 cm |
| Geschmack: | fruchtig, süß-säuerlich |
| Standort: | Gewächshaus, Freiland, Kübel |
| Ertrag: | hoch |
Meine Erfahrungen mit der Buschtomate Heinemanns Jubiläum
Heinemanns Jubiläum ist gemessen an Ihrer Wuchshöhe eine recht ertragreiche Buschtomate. Die Sorte ist robust, pflegeleicht und nicht sonderlich anfällig für Krankheiten. Die Pflanzen fruchten auch bei kühleren Temperaturen wie hier am Rande des Erzgebirges sehr zuverlässig. Heinemanns Jubiläum eignet sich für den geschützten Anbau unter Glas und Folie, kommt aber auch mit den Gegebenheiten unter freiem Himmel gut zurecht.
Die kompakte Buschtomate ist natürlich auch für Kübel und Töpfe bestens geeignet. Allerdings sollte man für eine vernünftige Versorgung mit Nährstoffen nur auf größere Pflanzgefäße setzen und mindestens 30 Liter beste Erde pro Pflanze einplanen. Bis auf einen hellen, sonnigen Standort stellt die Buschtomate keine großen Ansprüche ans Pflegepersonal.
Man braucht die Pflanzen nicht auszugeizen, sollte ihnen aber eine Stütze spendieren, die ihnen bei Wind Halt gibt und das Gewicht der Früchte aufnimmt. Eine Mulchschicht unter den Pflanzen hält den Boden gleichmäßig feucht und liefert Nahrung für Regenwurm & Co. Ein Regenschutz ist ja bekanntlich für alle Tomaten zu empfehlen und sicher auch bei dieser Sorte kein Fehler.
Mitte August werden bei mir die ersten Früchte reif und die Ernte kann beginnen. Die Früchte überstehen auch im Freiland die eine oder andere Schlechtwetterperiode, ohne gleich Schaden zu nehmen. Sie platzen eigentlich nur bei tagelangem Dauerregen. Deshalb dürfen die Tomaten in aller Ruhe an den Pflanzen ausreifen, bis sie komplett rot sind. Heinemanns Jubiläum sorgt viele Wochen lang für wohlschmeckende Salattomaten und liefert bis in den Herbst hinein vorzügliche Früchte.
Bewertung 



Heinemanns Jubiläum ist eine anspruchslose, robuste, niedrig wachsende Buschtomate mit makellosen, leuchtend roten Früchten. Die Pflanzen sind ertragreich und liefern über einen langen Zeitraum vortreffliche Salattomaten. Alles in allem ist es für mich eine erhaltenswerte, alte Tomatensorte, die sich nicht nur für Balkon- und Terrassen-
gärtner eignet, sondern auch für die Vielfalt in unseren Gärten unbedingt erhalten werden sollte.









